Was eigentlich als kontrollierter Raum gelten sollte, entwickelte sich offenbar zu einem Umschlagplatz für Drogen: In mehreren Justizvollzugsanstalten (JVA) in Baden-Württemberg soll ein ganzes Drogennetzwerk aufgeflogen sein. Die Polizei ermittelt derzeit gegen 19 Verdächtige, darunter auch drei Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalten. Sie sollen die Drogen geschmuggelt, gedealt oder den Handel der Insassen unterstützt haben.
Was war passiert?
Konkret geht es um den Verdacht des bandenmäßigen Handels mit Betäubungsmitteln. Nachdem Anfang des Jahres Hinweise auf den Handel in der JVA Ravensburg eingingen, leitete das Team der Kriminalpolizei Friedrichshafen ein Ermittlungsverfahren ein. Im Rahmen einer großangelegten Razzia wurden sodann mehrere JVAs sowie zwölf Wohnobjekte durchsucht. Bei den Durchsuchungen fanden die Ermittlungsbehörden neben Kokain, Medikamenten und Bargeld auch Waffen.
Die Tatverdächtigen sind zwischen 18 und 30 Jahre alt. Gegen die vier Hauptverdächtigen – drei Männer und eine Frau – wurden Untersuchungshaftbefehle erlassen. Während die Männer bereits im Gefängnis saßen, wurde die 29-jährige Justizvollzugsbedienstete neu inhaftiert. Die Ermittlungen deuten darauf hin, dass die Beteiligten „auf beiden Seiten der Gitterstäbe“ arbeitsteilig handelten. Dabei soll vor allem die junge Frau ihre Stellung ausgenutzt haben, um den Transport und die Verteilung der Drogen innerhalb der Haftanstalt zu ermöglichen.
Bekanntes Problem
Dabei ist der Drogenhandel in Gefängnissen ein bereits bekanntes Problem. Nach allgemeinen Schätzungen des Justizministeriums entspricht der Anteil der Abhängigen in Gefängnissen circa dem Zehnfachen der Quote außerhalb.
Drogen würden von Besuchern, per Post und über Mauerüberwürfe in die Anstalten gelangen. „In seltenen Fällen kommt es leider auch zur Beteiligung von Bediensteten, wobei diese Fälle meist größeres mediales Interesse erlangen“, so eine Sprecherin des Justizministeriums.
Quellen: spiegel.de, n-tv.de, stern.de