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 Fentanyl – Gefahr für Deutschland? 

Ein Großteil wird die erschreckenden Bilder aus den großen Metropolen Amerikas kennen, die in letzter Zeit vermehrt in den Medien auftauchen: teils junge Menschen, die auf offener Straße zusammensacken, teilweise bewusstlos oder sogar bereits tot. 

Im Zentrum dieser Krise steht das synthetische Opioid Fentanyl, eine Droge, die bereits seit den 1960er Jahren in der Medizin als Schmerz- und Narkosemittel genutzt wird. Allerdings hat diese Krise erst in den vergangenen 20 Jahren das Ausmaß einer epidemischen Gefahr erreicht. Dabei drängt sich die Frage auf: Wieso ist das so – und hat auch Deutschland in Zukunft ein „Fentanyl-Problem“ zu befürchten?

Was ist Fentanyl und warum ist es so gefährlich?

Bei dem heute im Umlauf befindlichen Fentanyl handelt es sich hauptsächlich um illegal hergestelltes Fentanyl, das als Pulver, Pille oder in gefälschten Medikamenten auf den Markt kommt. Besonders gefährlich dabei ist, dass die Konsumenten häufig gar nicht wissen, dass in ihrem vermeintlich „harmlosen“ Stoff Fentanyl enthalten ist, etwa in mit anderen Drogen versetzten Mischungen. Mittlerweile ist er fast allen illegalen Drogen beigemischt.

Dabei ist Fentanyl 50- bis 100-mal stärker als Heroin oder Morphin und bereits in extrem kleinen Dosen tödlich. Bei dauerhaftem Konsum sorgt Fentanyl dafür, dass Muskeln versteifen und nicht mehr richtig funktionieren. Die Folgen sind ein unrunder Gang und eckige Bewegungen, daher wird Fentanyl auch „Zombie-Droge“ genannt.

In den USA sind die Zahlen alarmierend: Im Jahr 2021 starben über 107.000 Menschen an Drogen. In mehr als 71.283 Fällen nahmen die Opfer Fentanyl. Die Zahl hat sich damit seit 2019 fast verdoppelt. Damit ist Fentanyl bei Menschen zwischen 18 und 49 Jahren mittlerweile die Todesursache Nummer eins.

Warum ausgerechnet jetzt?

Seit über 20 Jahren tobt die Opioid-Pandemie in den USA. Dabei dominierten in den ersten Jahren vor allem verschreibungspflichtige Schmerzmedikamente wie Oxycontin. Die Suchtgefahr der Medikamente haben die Hersteller und Händler bewusst verschwiegen. Inzwischen beherrscht Fentanyl den Markt. 

Mehrere Faktoren haben dies begünstigt. Vor allem aber ist Fentanyl im Vergleich zu anderen Drogen sehr günstig. Der Fentanyl-Rohstoff wird in großen Mengen in China hergestellt. Über mexikanische Drogenkartelle oder per Bestellung im Darknet landen die Rohstoffe dann in den USA. Weil die Vorräte so groß sind, ist die Droge günstiger als je zuvor.

Hat auch Deutschland bald ein Fentanyl-Problem?

Zwar ist Deutschland im Vergleich zu den USA bislang noch nicht von einem Fentanyl-Problem solchen Ausmaßes betroffen. Allerdings sind die mexikanischen Kartelle auch in Europa aktiv. 

Experten warnen daher, es sei nur eine Frage der Zeit, bis sie auch hier anfangen andere Drogen mit Fentanyl zu mischen, um Kosten zu sparen. Während die Berliner „Drug-Checking“-Stelle in über 3.500 analysierten Proben nur einmal Fentanyl gefunden hat, sieht es in Frankfurt schon anders aus. Mitarbeiter des Drogenkonsumraums der Integrativen Drogenhilfe in Frankfurt haben Ende Januar dieses Jahres 48 Verpackungen von Heroin auf Beimischungen von Fentanyl getestet, 25 davon positiv.

Es wird sogar befürchtet, dass Fentanyl künftig Heroin vom Drogenmarkt verdrängen wird. “Es gibt Hinweise der UN darauf, dass der Hauptproduzent des Heroins, nämlich Afghanistan, die Anbauflächen deutlich reduziert hat”, so Rüdiger Scholke, der Opioid-Experte des Berliner Drogennotdienstes. “Wir befürchten, dass damit weniger Heroin in Europa landet.” So stiegen die Preise. 

Eine Krise wie in den USA ist also keineswegs ausgeschlossen.

Quellen: tagesschau.de, Handelsblatt.com, usafacts.org, dea.gov, sidekicks.berlin, hessenschau.de, mdr.de

Bild: TopMicrobialStock, iStockphoto

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